Eine neue Sicht aufs Drama...

„Zeige dich, wie du bist oder sei, wie du dich zeigst.“ “Rumi”

Ja, ich gebe es zu. Ich neige zu Drama.

Und ich weiss ich bin damit nicht alleine. Gerade Frauen haben, so scheint es, einen natürlichen Drang zum Drama. Oder besser gesagt er liegt wohl eher im Weiblichen, unabhängig vom Geschlecht.

Irgendwie auch logisch, oder?

Dem Weiblichen sind die Gefühle zugeordnet und wenn die mit uns durchgehen, dann kann das schon mal in einem feurigen Drama enden.

Doch was kann ich tun, damit ich da aktiv mein Leben gestalte, anstatt vom Chaos der Emotionen überwältigt zu werden?

Dazu ist es gut, wenn wir uns einmal gemeinsam ansehen was so ein Drama genau ist und wodurch es ausgelöst wird.

Es gibt natürlich nicht das eine „Drama“ und ganz ohne diese Höhen und Tiefen erscheint unser Leben vielleicht sogar fad.

Hollywood macht es uns vor, je grösser das Drama Richtung Ende des Filmes, desto mehr Zuschauer kommen um es zu sehen.

Und das ist es wohl auch im „echten“ Leben. Drama bringt also ein paar wichtige Faktoren.

1.) Es lässt mich lebendig fühlen.
2.) Es ist ein Anklopfen bei meinem Gegenüber
3.) Es kann ein Test an mein Gegenüber sein
4.) Es zeigt tief verborgene Kräfte, die wir sonst deckeln.

Der Funktions-Freeze ist ein Zustand, der den meisten Erwachsenen vertraut ist. Ja, in der westlichen Welt ist er sogar der, den wir als „normal“ betrachten. Funktionieren in einer grauen Welt, die auf Konsum, Zeitdruck und Leistung aufgebaut ist.

Im Funktions-Freeze funktionieren wir, um zu Überleben. Es hat nichts mit einem aktiven Schöpfen und Gestalten zu tun. Es ist ein reines „sich über Wasser halten“. Ja, wir Menschen können dazu schon fast zu Robotern werden, abgespaltet von unseren Gefühlen, Aufgaben erledigen, die uns nicht erfüllen.

In dem Buch „Momo“ von Michael Ende beschreibt er die Menschen als unbewusst besetzt von den „grauen Herren der Zeitsparkasse“. Für mich zeigt ist den Funktionsfreeze, der in der westlichen Welt sehr früh an unsere Kinder weitergegeben wird.

So ein grauer Zustand ist unlebendig, denn er ist ja nicht mit Herz und Gefühlswelt verbunden sondern dient einzig dem Überleben. Es fühlt sich taub an.

Kommt nun aber ein Drama ins Spiel, so fliegen und Emotionen um die Ohren. Wir spüren etwas, wenn es auch schmerzhaft ist. Aber wir spüren wieder etwas, für einen kurzen Moment.

Es ist ein bisschen wie ein schriller Wecker. Es hilft uns aufzuwachen. Manchmal schlafen wir halt wieder ein und schalten auf „Snooze“.

Doch für einen kurzen Moment waren wir lebendig in diesem Drama.

Dieses Drama hilft auch noch etwas zu prüfen und vor allem Kinder und Frauen nutzen diese Prüfung oft unbewusst.

Es ist ein „Bin ich sicher bei dir“ und ein „nimmst du mich, auch wenn ich nicht so bin wie du es gerne magst“.

Ein Drama zu veranstalten ist auch eine Abfrage an mein Gegenüber. Eine Prüfung, wie ich mit meinem Gegenüber sein kann.

Ein Drama ist laut, feurig. Es kommt oft unerwartet und brennt oft ganze Bereiche nieder. Wie ein Vulkanausbruch, bricht es aus – oft ohne wirkliche Vorwarnung. Wie ein Tsunami spült es alles weg was nicht dem Leben dient und darüber hinaus.

Es ist eine Naturgewalt, die durch uns ausbricht. Überschüssiger Druck schiesst heraus und wirkt zerstörerisch. Es ist gewaltig, überwältigend und es braucht grosse Kraft um diesen Raum zu halten. Nicht den eigenen inneren Vulkan zu aktivieren, nicht ein ganzes Erdbeben daraus werden zu lassen.

Statt dessen da zu sein, den anderen in seinem Schmerz und seiner Verzweiflung zu sehen, zu fühlen, zu lieben.

Wenn wir auf so einen Menschen, so ein Gegenüber treffen, dann fühlt sich das sicher an. Dann weiss ich, dass meine Emotionen, mein ganzes Sein hier Willkommen ist.

Selbst wenn das Gegenüber sich kurz abwendet, weil es die eigene Überforderung darin wahr nimmt, um dann aber wieder da zu sein, mich in die Arme zu nehmen, mich zu lieben.

Dann ist das ein Hafen. Es ist das feste Wissen, dass mein Gegenüber sicher für mich ist. Welch ein Geschenk. In so einer Verbindung kann sich das Nervensystem ganz entspannen, kann der Funktionsfreeze sich wandeln in Flow. Dann weicht dem Überleben ein kreatives Schöpfen, im schönsten Fall gemeinsam.

Wir prüfen uns also gegenseitig auch immer wieder. Scannen das Gegenüber auf Sicherheit. Es ist ein Test, unsere Kinder schenken ihn uns noch mehr, für sie ist dieser wirklich präsente Mensch überlebenswichtig, damit sie nicht selbst im Funktionsfreeze landen. Und gerade sie sind die schönsten Wecker, die wir haben.

Natürlich sind diese Tests oftmals gewaltig und kaum zu Händeln. Vor allem wenn wir viele Jahrzehnte unsere verborgenen Emotionen gedeckelt haben. Dann kann dieser Vulkan wirklich so unglaublich zerstörerisch kommen, dass es alles nieder brennt.

Emotionen sind ungehaltene Gefühle unserer Kindheit. Immer dann wenn wir eben nicht sicher waren, der Raum nicht geschützt und geborgen. Wenn das Kind das Gefühl selbst nicht leben durfte, sondern weit in den Keller des Unterbewusstseins packen musste um zu überleben.  

Mit diesem Wegpacken schneiden wir uns aber leider auch immer mehr von unserer Kraft ab. Blockieren und verstopfen den so wichtigen Kanal der Lebensenergie, die von der Erde nach oben steigt. Irgendwann ist der Kanal verstopft und von unserer Lebenskraft kommt nur noch sehr wenig wirklich oben an.

Wir werden „alt“ und grau. Werden unlebendig und glauben, dass dies nur den Kindern vorenthalten ist. Doch eigentlich ist es dieser Deckel an ungehaltenen Emotionen, der die Flasche der Lebenskraft geschlossen hält.

Manchmal knallt der Korken eben heraus und die Lebenskraft sprudelt über, wie bei einer Sektflasche, die zu viel geschüttelt wurde.
Anstatt schnell einen neuen Deckel drauf zu machen können wir anfangen uns diesem ungehaltenen Emotionen zuzuwenden.

Mandalas kommen tief aus dem Schöpferraum und helfen uns, ganz magisch und unbewusst, alten Emotionen Raum zu geben.

Deshalb ist es gut, sich wirklich bewusst Zeit für diesen Prozess zu nehmen. Etwas sichtbar zu machen was so lange im Verborgenen liegt, kann natürlich ganz schön Angst machen. Doch beim Mandala zeichnen verflüssigt sich der Propfen wie von selbst und etwas beginnt wieder zu fliessen.

Mit jedem Mandala zeigt sich ein Stück vom Propfen, wenn wir es uns Zeit nehmen das bewusst anzusehen, kann die Lebensenergie jeden Tag wieder ein Stück mehr fliessen.

Strich für Strich, Kreis für Kreis zeichnen wir uns frei von alten Konditionierungen, Glaubenssätzen und festsitzenden Emotionen und kommen Stück für Stück unserer wahrhaftigen, lebendigen Lebensenergie wieder näher.

Dann wird aus dem grauen Alltag ein lebendiges Miteinander, dass uns das Paradies auf Erden schenkt.

Es gibt für mich keinen Alterungsprozess solange wir im Kreativmodus sind.
Lediglich im Überleben sind wir mit dem
Prozess des grau werdens konfrontiert.
Wir haben jeden Tag die Wahl.